Der unscheinbare, dornige Strauch begegnet uns vor allem bei Spaziergängen im Herbst. Seine kleinen Früchte sind dunkelblau bis violett und schmecken beim ersten Probieren unangenehm herb und säuerlich. Deshalb denken viele Menschen automatisch, dass sie kaum zu gebrauchen sind.
Doch genau das ist ein Irrtum. Die Schlehe, die Frucht des Schlehdorns, ist seit Generationen bekannt und lässt sich in der Küche vielseitig verwenden. Richtig verarbeitet, entstehen daraus aromatische Marmeladen, Gelees, Sirup oder Getränke.
Was sind Schlehen?
Schlehen wachsen am Schlehdorn (Prunus spinosa), einem robusten, dornigen Strauch, der häufig an Waldrändern, Feldwegen und Hecken zu finden ist. Die kleinen Früchte erinnern optisch ein wenig an winzige Pflaumen und besitzen eine charakteristische dunkelblaue bis violette Farbe.
Roh schmecken Schlehen meist sehr herb und zusammenziehend. Verantwortlich dafür sind unter anderem die enthaltenen Gerbstoffe. Nach Frost oder entsprechender Verarbeitung verändert sich ihr Geschmack jedoch deutlich und wird milder und fruchtiger.
Warum schmecken Schlehen so herb?
Wer zum ersten Mal eine frische Schlehe probiert, ist häufig überrascht von ihrem intensiven Geschmack. Die Früchte enthalten viele Gerbstoffe, die im Mund ein trockenes, zusammenziehendes Gefühl verursachen.
Traditionell wurden Schlehen deshalb gerne nach den ersten Frösten gesammelt. Durch die Kälte werden die Früchte weicher und ein Teil der herben Wirkung nimmt ab.
Allerdings muss man nicht unbedingt auf den ersten Frost warten. Gesammelte Schlehen können auch eingefroren und später verarbeitet werden.
Wann kann man Schlehen sammeln?
Die Erntezeit liegt normalerweise im Herbst, wenn die Früchte vollständig dunkelblau oder violett gefärbt sind.
Beim Sammeln sollte man nur gesunde, unbeschädigte Früchte auswählen. Da der Schlehdorn sehr viele Dornen besitzt, sind robuste Handschuhe empfehlenswert.
Außerdem sollten Schlehen nicht direkt an stark befahrenen Straßen oder an Stellen gesammelt werden, an denen die Pflanzen möglicherweise mit Schadstoffen belastet sind.
Schlehenmarmelade: Eine köstliche Möglichkeit
Eine der beliebtesten Möglichkeiten, Schlehen zu verwenden, ist die Zubereitung von Schlehenmarmelade oder Schlehengelee.
Für eine einfache Variante benötigen Sie:
- 1 kg Schlehen
- etwa 500–700 g Gelierzucker, abhängig vom verwendeten Produkt
- 200–300 ml Wasser
- 1–2 EL Zitronensaft
Zubereitung
Zuerst werden die Schlehen gründlich gewaschen und von Blättern und Stielen befreit. Anschließend gibt man die Früchte mit Wasser in einen Topf und lässt sie weich kochen.
Wenn die Schlehen zerfallen, wird die Masse durch ein feines Sieb passiert, um Kerne und Schalen zu entfernen. Das Fruchtmus beziehungsweise der Saft wird anschließend mit Gelierzucker und Zitronensaft nach Packungsanleitung weiterverarbeitet.
Die fertige Masse wird heiß in saubere, vorbereitete Gläser gefüllt und sofort verschlossen.
Das Ergebnis ist eine intensiv aromatische, leicht säuerliche Marmelade mit einem ganz besonderen Geschmack.
Schlehengelee aus den kleinen Wildfrüchten
Wer lieber ein klares Gelee mag, kann aus Schlehen einen aromatischen Fruchtsaft herstellen und diesen anschließend zu Gelee verarbeiten.
Dafür werden die Früchte zunächst weich gekocht und anschließend durch ein Tuch oder ein feines Sieb abgeseiht. Der gewonnene Saft wird mit Gelierzucker entsprechend dem verwendeten Produkt aufgekocht.
Tipp: Ein kleiner Schuss Apfel- oder Traubensaft kann den Geschmack abrunden und das Gelee etwas milder machen.
Auch Schlehensirup ist eine gute Idee
Aus Schlehen lässt sich außerdem ein aromatischer Sirup herstellen. Der intensive Fruchtgeschmack passt hervorragend zu Wasser, Tee oder Desserts.
Dafür werden die Früchte zunächst mit Wasser erhitzt und anschließend abgeseiht. Der gewonnene Saft wird mit Zucker aufgekocht und heiß abgefüllt.
So entsteht ein Vorrat, den man später mit Wasser verdünnen oder zum Verfeinern verschiedener Speisen verwenden kann.
Schlehen passen auch zu herzhaften Gerichten
Die kleinen Wildfrüchte müssen nicht ausschließlich für Süßspeisen verwendet werden.
Ihre säuerlich-herbe Note kann interessante Akzente in Saucen zu Wildgerichten setzen. Auch in Kombination mit Äpfeln, Birnen oder Gewürzen wie Zimt und Nelken können Schlehen hervorragend schmecken.
Besonders spannend ist die Kombination aus süßen und leicht herben Aromen.
Einfrieren macht Schlehen milder
Wer keine Zeit hat, die Schlehen sofort zu verarbeiten, kann sie problemlos einfrieren.
Waschen Sie die Früchte, lassen Sie sie gut trocknen und geben Sie sie anschließend portionsweise in Gefrierbeutel oder geeignete Behälter.
Nach dem Einfrieren können die Früchte direkt für Marmelade, Gelee oder andere Zubereitungen verwendet werden. Das Einfrieren macht die Schlehen weich und kann dazu beitragen, dass sie weniger herb schmecken.
Worauf sollte man bei Schlehen achten?
Bei der Verarbeitung sollte man berücksichtigen, dass Schlehenkerne nicht zum Verzehr gedacht sind. Wie bei anderen Steinfrüchten sollte man die Kerne nicht zerbeißen oder mahlen. Für Marmelade und Gelee werden die Kerne deshalb vor dem Verzehr entfernt.
Außerdem sollten nur eindeutig bestimmte und einwandfreie Früchte gesammelt werden. Wer sich bei der Bestimmung einer Wildpflanze nicht sicher ist, sollte sie nicht verzehren.
Warum Schlehen wiederentdeckt werden
In einer Zeit, in der viele Menschen wieder mehr Wert auf saisonale und regionale Lebensmittel legen, erleben alte Wildfrüchte eine kleine Renaissance.
Schlehen wachsen in vielen Regionen praktisch vor der Haustür und wurden früher häufig zu Vorräten für den Winter verarbeitet. Heute sind sie eine interessante Möglichkeit für alle, die selbst gemachte Marmelade, Gelee und Sirup aus heimischen Früchten ausprobieren möchten.
Ihr intensiver Geschmack macht sie zu einer besonderen Alternative zu klassischen Beerenfrüchten.
Fazit
Was bei einem Herbstspaziergang wie eine unscheinbare, bittere Beere aussieht, kann in der Küche überraschend vielseitig sein. Schlehen lassen sich zu Marmelade, Gelee, Sirup und aromatischen Saucen verarbeiten.
Ihr herber Geschmack mag frisch zunächst gewöhnungsbedürftig sein, doch durch Einfrieren und Kochen werden die Früchte deutlich angenehmer und entwickeln ein intensives, charakteristisches Aroma.
Wer den Schlehdorn bisher einfach übersehen hat, sollte die kleinen blauvioletten Früchte vielleicht einmal mit anderen Augen betrachten.
Der Text wurde vom Redaktionsteam mithilfe von KI-Tools aufbereitet. Alle Informationen wurden vor der Veröffentlichung geprüft und redigiert.